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Thema des Monats

Kinder- und Jugendpsychiatrien unter erheblichem Druck


Foto: iStock

Unter Kindern und Jugendlichen haben Essstörungen, Internet- und Medienabhängigkeit sowie suizidale Krisen zugenommen. Das ist eines der Ergebnisse des aktuellen Psychiatrie-Barometers 2025/2026 des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI). Gleichzeitig bewertet die überwiegende Mehrheit der psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen ihre wirtschaftliche Lage als mäßig bis schlecht. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnt vor diesem Hintergrund vor Versorgungsengpässen. 

In der Kinder- und Jugendpsychiatrie sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie nach wie vor spürbar. Auch die Häufigkeit ausgewählter Krankheitsbilder und die Nachfrage nach entsprechenden Behandlungen haben sich verändert. Im aktuellen Psychiatrie-Barometer gab über die Hälfte der befragten Krankenhäuser an, dass Essstörungen unter Kindern und Jugendlichen deutlich zugenommen hätten. Ebenfalls einen deutlichen Anstieg verzeichneten Internet- und Medienabhängigkeit (44 %), suizidale Krisen (42 %), Angststörungen (42 %) und Depressionen (39 %).

Wachsende Herausforderungen der Versorgung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

Gleichzeitig sieht sich die Versorgung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie laut DKI-Umfrage mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert. Veränderte und komplexer werdende Störungsbilder, eine zunehmende Nachfrage nach oftmals nicht vorhandenen Behandlungsplätzen sowie wachsende Lücken im Übergang in die Erwachsenenversorgung prägen vielerorts die Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen. In jeweils knapp zwei Drittel der Kinder- und Jugendpsychiatrien betragen die Wartezeiten auf eine voll- oder teilstationäre Behandlung acht Wochen oder mehr.

Auch die wirtschaftliche Lage psychiatrischer und psychosomatischer Einrichtungen in Deutschland bleibt angespannt. Nur rund ein Viertel der befragten Kliniken schätzt seine wirtschaftliche Lage als sehr gut bis gut ein. Der überwiegende Teil der Häuser bewertet die eigene Situation dagegen als eher mäßig bis sehr schlecht. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Einschätzung bei den Fachkrankenhäusern deutlich, bei den Abteilungspsychiatrien geringfügig verschlechtert.

Auch der Blick nach vorn fällt pessimistisch aus: 50 % der Abteilungspsychiatrien und 54 % der Fachkrankenhäuser rechnen für 2026 mit einer weiteren Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage. Nur jede zehnte Abteilungspsychiatrie und jedes zwanzigste Fachkrankenhaus geht von einer Verbesserung aus. Die Zukunftserwartungen haben sich damit gegenüber dem Vorjahr nochmals deutlich eingetrübt.

Die schwierige wirtschaftliche Lage bleibt nicht ohne Folgen: 23 % der Abteilungspsychiatrien und 16 % der Fachkrankenhäuser planen innerhalb der nächsten sechs Monate Personal abzubauen. Uneinheitlicher fällt das Bild bei der Liquidität aus: Fast jedes vierte Fachkrankenhaus bewertet seine Liquiditätssituation als schlecht bis sehr schlecht. Dieser Anteil liegt über dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig berichten mehr Fachkrankenhäuser als im Vorjahr von einer guten bis sehr guten Liquiditätslage. Ihr Anteil liegt bei 52 %.

„Das Psychiatrie-Barometer zeigt eine doppelte Herausforderung: In der Kinder- und Jugendpsychiatrie steigt der Bedarf, während die wirtschaftliche Lage vieler Einrichtungen angespannt bleibt. Die zunehmende Nachfrage führt vielerorts zu langen Wartezeiten. Die Politik muss deshalb für ausreichend Behandlungskapazitäten und verlässliche Finanzierungsbedingungen sorgen und die Einrichtungen zugleich von unnötiger Bürokratie und Überregulierung entlasten“, erklärt der Vorstandsvorsitzende der DKG, Dr. Gerald Gaß

Erheblicher Fachkräftemangel

Psychiatrische Kliniken leiden unter erheblichem Fachkräftemangel: Der Bedarf an Pflegefachpersonen, Auszubildenden und fachweitergebildeten Kräften bleibt oft ungedeckt, während das Interesse der Auszubildenden an praktischen Einsätzen in der Psychiatrie teilweise höher ist als das verfügbare Angebot.

Knapp die Hälfte der Fachkrankenhäuser und Abteilungspsychiatrien berichtet, dass ihre Anzahl an examinierten Pflegefachpersonen den Bedarf nicht deckt. Bei 45 % der Kliniken ist die Anzahl an Auszubildenden zur Pflegefachperson nicht bedarfsgerecht. Des Weiteren ist bei 43 % die Bewerberanzahl für die Ausbildung zur Pflegefachperson geringer als der Bedarf. Zu beiden Sachverhalten wurden keine Unterschiede zwischen den Abteilungs- und Einrichtungspsychiatrien festgestellt.

Die Ergebnisse des Psychiatrie-Barometers 2025/2026 beruhen auf einer Befragung psychiatrischer und psychosomatischer Fachkrankenhäuser sowie Allgemeinkrankenhäuser mit psychiatrischen oder psychosomatischen Fachabteilungen. Die Befragung fand zwischen Anfang Oktober 2025 und Ende Januar 2026 statt. Beteiligt haben sich 295 Einrichtungen.  Das Psychiatrie-Barometer steht auf der Website des DKI unter https://www.dki.de/fileadmin/user_upload/Psychiatrie_Barometer_2026_final.pdf zum Download bereit.