Der Neubau des Klinikum Wahrendorff in Sehnde‑Köthenwald wurde mit dem AKG-Preis für herausragende Gesundheitsbauten ausgezeichnet. Foto: tsj-Architekten/Jörg Schwarze
Der AKG-Preis 2025 geht an das Klinikum Wahrendorff in Sehnde‑Köthenwald – ein herausragender Neubau, geplant von tsj‑architekten GmbH aus Lübeck mit dem Bauherrn Klinikum Wahrendorff GmbH. Mit der Auswahl des Fachkrankenhauses für die Seele des Klinikum Wahrendorff für den Preis würdigt die hochkarätige Jury nicht zuletzt das Konzept der Architektur im Ensemble, die im Falle der Wahrendorff Kliniken die Dorfstruktur als Schlüssel zum Klinikbau nimmt.
Der Neubau weist einige herausragende Merkmale auf: Die fünf Einzelhäuser sind um eine zentrale Mitte angeordnet, vergleichbar mit einem kleinen Dorf. Diese Anordnung soll Gemeinschaft und Orientierung fördern, Bauvolumen reduzieren und überschaubare Strukturen schaffen.
Arkadenähnliche verbindende Bereiche in der Mitte bieten Raum für Begegnungen und funktionieren wie zentrale Plätze. Der Neubau geht zudem eine enge Verbindung mit Landschaft ein: Alle Häuser sind im Dialog mit Außenräumen gestaltet. Es gibt großflächige Fenster, Innenhöfe und begehbare Grünflächen, die einen intensiven Naturbezug schaffen.
Besondere Materialien und Farbkonzepte verleihen dem Haus seine Ausdruckskraft, heißt es zudem in der Begründung der Jury. Die Fassaden aus hellem Ziegel strahlen Wärme aus und integrieren traditionelle handwerkliche Qualitäten. Durch viel Naturholz im Innenraum entsteht ein behagliches, nicht-institutionelles Ambiente. Hochwertige Oberflächen und filigrane Details zeugen von sorgfältiger Planung und handwerklichem Anspruch. Auch ökologische Aspekte fanden Berücksichtigung: Langlebige Materialien und klar definierte Bauvolumen fördern Nachhaltigkeit und minimalen Ressourcenverbrauch.
Im zentralen Gebäude des Neubaus sollen sich die Patienten sicher und wohl fühlen können. Dafür können individualisierte Therapien sowie eine Vielfalt an begleitenden Angeboten in Anspruch genommen werden. Durch die geschickte Architektur mit dem verbindenden „Loop“ sind schlanke Wege entstanden, die niedrigschwellige Therapieangebote möglich machen. Das Behandlungskonzept ist an der Lebensrealität orientiert und bereitet gezielt auf den Alltag vor. Alle Stationen sind architektonisch ansprechend gestaltet. Dabei finden sich neben Spezialstationen und Einheiten mit Intensivbereichen für Patienten in akuten Krisen auch eine Wahlleistungsstation mit Hotelkomfort, modern gestaltete Therapie- und Freizeitbereiche, eine große Sporthalle mit Kletterwand und ein ganz besonderer Speisesaal mit bis zu 100 Plätzen. Auf den Stationen sind die Patientinnen und Patienten in Ein- und Zweibettzimmern untergebracht.
In dem neuen Fachkrankenhaus für die Seele finden bewährte therapeutische Konzepte mit neu zugelassenen Therapiemöglichkeiten zusammen. Auch im Neubau werden Einzel- und Gruppentherapien, Kunst-, Musik- und Sporttherapie angeboten. Ganz neue Schwerpunkte bilden spezielle ernährungstherapeutische Konzepte, die Virtual-Reality-Therapie, eine innovative Lichttherapie und ein weiterer Ausbau der Transkraniellen Pulsstimulation (TPS) in der Behandlung von Demenz. Ganz neu ist zudem eine Station für qualifizierte Entgiftung. Auch tagesklinische Plätze gibt es im Neubau.
Lichtkunst im Zentrum – James Turrells Kuppel
Ein zentrales architektonisches Highlight ist die Lichtkuppel über dem Speisesaal, entworfen in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Licht- und Farbkünstler James Turrell. Mit der Kuppel des Klinikum Wahrendorff hat der Künstler aus Arizona eine einzigartige ortsspezifische Installation gestaltet. Seit Beginn seines künstlerischen Schaffens widmet sich Turrell der Auseinandersetzung mit den vielfältigen Erscheinungsformen von Licht, das er als Medium begreift, durch das die Welt erst sichtbar wird. Und er betont stets, dass seine raumgreifenden Installationen am ehesten als „Kunst der Wahrnehmung“ bezeichnet werden können („Perceptual Art“).
„Abgestimmt auf die besonderen Bedürfnisse von Psychiatrie und Psychosomatik und die Anforderungen des zentralen Speisesaals hat Turrell ein Lichtkonzept geschaffen, das das Erleben von Kunst intensiv mit der therapeutischen Wirkung von Licht, Farben und Raum verbindet“, beschrieb die Klinikleitung bei der Eröffnung das beeindruckende Kuppelwerk anlässlich der Einweihung des neuen „Fachkrankenhauses für die Seele“ im April 2023.
Neben der funktionalen Klarheit des Baus – die Erschließungssysteme sind übersichtlich, intuitiv und kommunikationsfördernd – heben die Jury-Mitglieder die „humane Maßstäblichkeit“ hervor: Die Gebäude wirkten vertraut, geborgen und wertschätzend. Die Architektur sei angemessen, zeitlos, nicht steril, sondern spürbar patienten- und mitarbeiterorientiert.
Der AKG-Preis für herausragende Gesundheitsbauten
Der zum fünften Mal ausgelobte AKG-Preis für herausragende Gesundheitsbauten soll die Bedeutung aktueller Architektur auf diesem Spezialgebiet in das öffentliche Bewusstsein rücken und die Ziele der AKG, nämlich die Wahrung, Sicherung und Förderung der Qualitäten aktueller und zukünftiger Bauaufgaben, nachdrücklich veranschaulichen.
Die AKG würdigen mit dem Preis herausragende Beiträge zur Architektur des Krankenhausbaus oder des Gesundheitswesens, an denen die vielfältigen Anforderungen an die Bauqualität, Funktionalität und Detailgenauigkeit vorbildlich gelöst wurden. Der AKG-Preis ist ein Ehrenpreis und wird gleichermaßen den Architekten wie den Bauherren des von einer unabhängigen Jury prämierten Bauwerks verliehen.
Vier Anerkennungen für herausragende Gesundheitsbauten 2025
Als weitere Krankenhäuser wurden folgende Bauten ausgezeichnet:
Katrin Rüter