Foto: Alexianer
Im Gespräch mit Dr. Christian von Klitzing, Sprecher der Hauptgeschäftsführung der Alexianer GmbH
Steigende Preise, Kostendruck, Investitionslücken: Insbesondere freigemeinnützige Kliniken beklagen die finanzielle Misere. Die Alexianer GmbH wirtschaftet noch immer erfolgreich. Wie machen Sie das?
Auch an uns gehen die finanziellen Herausforderungen im Gesundheits- und Sozialwesen nicht spurlos vorüber. Vorteil der Alexianer ist, mit Somatik, Psychiatrie, Eingliederungs- und Jugendhilfe sowie Altenhilfe und außerklinischer Pflege seit Jahrhunderten breit aufgestellt zu sein. Läuft es in einem Bereich nicht so gut, können die anderen Bereiche unterstützen. Die Größe der Alexianer und ihre zentralen Strukturen schaffen klare Synergien, zum Beispiel bei Budgetverhandlungen oder Dienstleistungen. Unser christlich geprägtes Leadership sorgt für gute Qualität und eine besondere Kultur, beide wiederum bilden die Basis für unsere nachhaltige Wirtschaftlichkeit. Unsere exzellent besetzten Gremien, von Ordensleuten, Anwälten, Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern bis hin zu Ordinarien von Universitätsklinika, unterstützen den Weg der langfristigen Entwicklung.
Können Sie auch weiter „schwarze Zahlen“ erwirtschaften?
Schwarze Zahlen zu erwirtschaften, fällt auch uns nicht einfach und wird aufgrund der Unterfinanzierung der Krankenhäuser zunehmend schwieriger. Unsere regionale und sektorübergreifende Vernetzung, die Vielfalt unserer Angebote und die Kraft des Konzerns sorgen dafür, dass wir finanziell vergleichsweise gut dastehen. Grundsätzlich aber muss die systemische Benachteiligung durch die Defizitausgleiche bei kommunalen Krankenhäusern ein Ende haben, und eine faire Finanzierung zur Sicherung gerade auch der konfessionellen Einrichtungen erfolgen.
Wie begegnen Sie der Kostenexplosion?
Das geht nur im Miteinander, nur als gemeinsame Anstrengung aller Alexianer. Die Führungsebenen werden dialogisch in die Lösungsfindung einbezogen, es wird offen und transparent kommuniziert, auch und gerade wenn es problematisch wird – das ist uns wichtig, denn nur so wird klar, wo der Schuh drückt, nur so können wir Wandel von innen heraus gestalten. Wichtig ist auch die Zusammenarbeit innerhalb unserer fünf Verbünde, sowie die Expertise der Holding-Experten aus den unterschiedlichen Referaten, beispielsweise in der Pflege und Medizin.
Welche strategischen Anforderungen ergeben sich daraus?
Die Marktentwicklung spricht weiterhin für eine Konzentration. Wir streben daher unverändert Wachstum an. Es gibt eine Vielzahl von Häusern, die gerne unter das Dach der Alexianer kommen möchten – wir sondieren mit Bedacht und übernehmen dort Verantwortung, wo es Sinn ergibt, etwa aufgrund einer besonderen Expertise oder regionalem Bezug. Wichtig sind darüber hinaus starke Partnerschaften, wie beispielsweise die gerade kommunizierte Kooperation mit dem UKM zum gemeinsamen Brustzentrum mit dem Clemenshospital.
Welche Unternehmensziele entwickeln Sie vor dem Hintergrund der Reform?
Die Reform hat keine konkrete Auswirkung auf unsere Unternehmensziele, sie katalysiert nur bestimmte Trends im Markt. Wir sind seit über 800 Jahren für Menschen am Rande der Gesellschaft tätig und wollen auch weiterhin als starker christlicher Träger präsent sein.
Wie erreichen Sie diese Ziele?
Es geht nur Miteinander mit allen Mitarbeitenden. Bei den Alexianern gilt das Prinzip der Subsidiarität, das in unserem Leitspruch verankert ist: Im Notwendigen die Einheit, im Zweifel die Freiheit, in allem die Liebe. Verantwortung wird auf der Ebene getragen, auf der es sinnvoll ist.
Wie bewerten Sie die vom BMG mit der Krankenhausreform geplante Vorhaltefinanzierung?
Die Vorhaltefinanzierung sehen wir kritisch, denn sie wird nicht die die gewünschten Effekte erzielen und birgt zudem die Gefahr weiter wachsender Bürokratisierung. Wir würden uns mehr „NRW im Bund“ wünschen.
Laufend ändern sich die Bedingungen für das Berichtswesen im Krankenhaus. Wie gehen Sie damit um?
Wir bündeln unser Wissen Alexianer-weit und versuchen, gemeinsam technische Lösungen zu schaffen, um den Aufwand der stetig steigenden externen Berichtspflichten zu minimieren. Offen gesprochen: Deren immer weiter steigendes Ausmaß bindet Ressourcen, eine stetige Spirale von zusätzlichen Daten ist Ausdruck von Misstrauen und Willkür. Unser Wunsch daher an die neue Bundesregierung: Bitte entbürokratisieren Sie endlich im Gesundheits- und Sozialwesen, entlasten Sie und vertrauen Sie den Mitarbeitenden. So stünde endlich wieder mehr Zeit für die originäre Versorgung zur Verfügung.
Das Gespräch führte Katrin Rüter , Chefredakteurin „das Krankenhaus“