Prof. Dr. Boris Augurzky, Hauptautor der Studie. Foto: Kotlorz
Autoren des Krankenhaus Rating Reports 2025 raten zu mehr Patientensteuerung und mehr Leistung in den Kliniken
Ein nebeliges und düsteres Tal zeigt das Cover des neuen Krankenhaus Rating Reports 2025, der im Rahmen des Hauptstadtkongresses von den Autoren am 26. Juni 2025 in Berlin vorgestellt wurde. Damit stimmt das Titelbild mit den Fakten überein, denn die wirtschaftliche Lage der Kliniken ist so schlecht wie noch nie. „Das vergangene Jahr war das mit Abstand schlechteste wirtschaftliche Jahr für die Krankenhäuser“, sagte Dr. Sebastian Krolop, CEO & Founder Planet Health Foundation bei der Präsentation des Reports. 43 % der Kliniken schlossen 2023 mit einem negativen Jahresergebnis. „So einen hohen Wert hatten wir noch nie“, sagte Prof. Dr. Boris Augurzky, Hauptautor der Studie und gesundheitspolitischer Sprecher am RWI, Geschäftsführer der hcb GmbH sowie Vorstandsvorsitzender der Rhön Stiftung. Für das Jahr 2024 klettert die Quote der Kliniken mit negativen Jahresabschlüssen sogar auf 56 % an.
Die Hochrechnung für das Jahr 2024 sieht somit insgesamt noch düsterer aus als 2023. Gemeinsam mit Solidaris haben die Studien-Autoren echte Jahresabschlüsse von 174 Kliniken für das Jahr 2024 angesehen. Daraus wird ersichtlich, in welcher dramatischen Finanznot die Krankenhäuser stecken. 50 % der Kliniken können mit ihrem Geldmittelbestand nur den Finanzbedarf von zwei Wochen oder weniger decken. Bei 14 % der Häuser bestehe eine hohe Insolvenzgefahr.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) e.V. sieht sich angesichts dieses Ergebnisses des Krankenhaus Rating Reports 2025 in ihren Warnungen bestätigt. Das Finanzdrama der Kliniken sei „das Ergebnis einer gescheiteren Politik“, so der DKG-Vorstandsvorsitzende Dr. Gerald Gaß.
„Insbesondere der unterlassene Inflationsausgleich in der letzten Legislaturperiode hat den Krankenhäusern finanziell den Boden unter den Füßen weggezogen. Jahr für Jahr wurden die Kosten höher, ohne dass die Refinanzierung Schritt gehalten hätte. Das hat viele Häuser systematisch in die wirtschaftliche Schieflage getrieben“, kommentierte Gaß. Die neue Bundesregierung und die neue Bundesgesundheitsministerin hätten nun mit den vier Mrd. Euro Sofort-Transformationskosten zwar ein klares Signal gesendet, doch dabei dürfe es nicht bleiben. „Wir brauchen zum einen eine umgehende Entbürokratisierungsoffensive, auch die war uns in den letzten Jahren versprochen, nur den Worten folgten keine Taten. Und zum anderen braucht die geplante Krankenhausreform dringend eine grundlegende Überarbeitung“, forderte Gaß.
„Das Gute bei einem Tal ist, dass es auch wieder aufwärts geht“, prophezeite Studienautor Boris Augurzky in Anspielung auf den Titel des Reports: „Aufbruch aus dem Tal der Tränen.“
Augurzky identifizierte „zwei wichtige Hebel“: Die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen müsse reduziert und die Produktivität in den Kliniken erhöht werden. Er forderte eine breite Steuerung der Patienten, die noch über das Primärarztsystem hinausgehe. Und er plädiert für einen effektiveren Einsatz der Klinikbeschäftigten. „Wir müssen die Arbeitskräfte, die wir haben geschickter nutzen."
In den Kliniken sei ein Aufwuchs von Personal zu beobachten, insgesamt gebe es mehr Vollkräfte, sagte Dr. Adam Pilny, Projektleiter in der hcb GmbH. Seit 2019 seien die Vollkräftezahlen um 6,3 % gestiegen. Es gebe 20 % mehr Personal pro Patientenfall im Vergleich zum Jahr 2019. Den größten Anstieg habe es beim Pflegepersonal gegeben, seitdem das Pflegebudget im Jahr 2020 aus den DRGs ausgegliedert wurde.
Zu dem Zeitpunkt betrugen die Ausgaben der GKV 14,6 Mrd. Euro. Aktuell lägen diese bei 22 Mrd. Euro. „Das politische Ziel war damals, dass man die Pflege stärkt, dass man mehr Pflegekräfte pro Fall hat und mehr Pflege insgesamt im Krankenhaus hat. Dieses Ziel wurde erreicht“, folgert Pilny. Andererseits explodierten die Kosten. Der Politik rät Pilny: „Das Pflegebudget sollte perspektivisch wieder in die DRGs und in die Vorhaltefinanzierung integriert werden.“
Tanja Kotlorz