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Die Deutsche Gesellschaft für Notfallmedizin (DGINA) fordert die deutschlandweite Einführung eines Facharztes für Notfallmedizin. Im Unterschied zu fast allen anderen europäischen Ländern gibt es in Deutschland bisher keine eigene Facharztweiterbildung für das medizinische Personal in Notaufnahmen. Auf dem DGINA-Jahreskongress startete die die Gesellschaft deshalb die Initiative #FacharztNotfallmedizinJETZT.
Im Confex Köln wurde vom 8. Bis 10. Mai die 20. DGINA-Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) eröffnet. Unter dem Motto „The next Generation“ präsentieren rund 190 Referentinnen und Referenten an drei Tagen in über 60 Veranstaltungen neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in der Notfallmedizin. Daneben richten die Veranstalter den Blick auf aktuelle gesundheitspolitische Themen.
Mit annähernd 3000 Teilnehmenden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Kongress die größte notfallmedizinische Fachtagung im deutschsprachigen Raum.
Blick in die Zukunft der Notfallmedizin – „The next Generation“
„Wir haben diesen Jubiläumskongress bewusst auf die nächste Generation ausgerichtet“, sagte Prof. Michael Bernhard, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme am Universitätsklinikum Düsseldorf und Mitglied des Kongresspräsidiums, zur Eröffung der Tagung. „Mit Fokus auf die noch unzureichenden Bedingungen in Zentralen Notaufnahmen und die Herausforderungen durch anstehende Reformen muss sich die Klinische Akut- und Notfallmedizin weiterhin professionalisieren.“ Bernhard gab einen Überblick über das wissenschaftliche Programm des Kongresses und verwies auf die Sessions, die besonders die Nachwuchskräfte betreffen. Dort geht es unter anderem um den möglichen Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Notfallmedizin, um Fehlerkultur und um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
DGINA-Präsident fordert Notfallreform
Bei der Pressekonferenz zur Kongresseröffnung erinnerte DGINA-Präsident Martin Pin an die längst geplante, aber immer wieder verschobene Notfallreform. „Wir können eine hochwertige zeitnahe Notfallversorgung der Menschen in unserem Land nur dann sicherstellen, wenn die Politik die Notfallkliniken und die Notfallmedizin jetzt stärkt“, sagte Pin. „Das bereits fertige Notfallreform-Gesetz, das dem Ampel-Aus zum Opfer gefallen ist, muss schnell auf den Weg gebracht werden. Wir brauchen dieses Gesetz dringend.“
Patrick Dormann, Leiter der Weiterbildung Notfallpflege an der Caritas-Akademie Köln-Hohenlind und Mitglied des Kongresspräsidiums forderte zudem eine Qualifizierungsoffensive für die Notfallpflege: „Die Fachdisziplin Notfallpflege entwickelt sich rasant, doch politisch ist noch viel zu tun“, erklärte Dormann. Er sprach sich für Personaluntergrenzen in Notaufnahmen und für eine Fachpflegequote aus. Dies sei nur mit besseren Qualifizierungsmöglichkeiten zu erreichen. Dormann forderte einen für Nachwuchskräfte attraktiven Masterstudiengang Advanced Nursing mit Vertiefung Critical Care. In vielen anderen Ländern sei dies bereits Standard.
Wann kommt der Facharzt für Notfallmedizin?
Dr. Julia Lorenz, Assistenzärztin und Vertreterin der Arbeitsgruppe YoungDGINA plädierte für die deutschlandweite Einführung eines Facharztes für Notfallmedizin. „Ein Facharzt für Notfallmedizin wäre nicht nur ein Gewinn für uns als junge Generation. Er wäre auch ein Gewinn für die Patientensicherheit“, sagte Lorenz. Vor allem in kleinen Kliniken, in denen nachts nicht alle Fachdisziplinen vertreten seien, brauche es jemanden, „der alles kann: die Einschätzung eines Herzinfarkts, das Management einer psychischen Krise, das Erkennen eines Schlaganfalls.“ Genau dafür müsse man ausgebildet sein. Systematisch, fundiert, und über Jahre – eben nicht nebenbei.