NKG-Verbandsdirektor Helge Engelke. Foto: NKG
Alarmsignal für Niedersachsens Krankenhäuser
Die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) sieht sich durch die Ergebnisse des Krankenhaus Rating Reports in ihren jüngsten Warnungen bestätigt.
NKG-Verbandsdirektor Helge Engelke erklärt hierzu: „Für ein Flächenland wie Niedersachsen sind die Studienergebnisse hochgradig besorgniserregend, da gerade im ländlichen Raum ein unkontrolliertes Wegbrechen von Kliniken droht. Zudem werden Arbeitsplätze in beträchtlichem Umfang gefährdet, da den Krankenhäusern abgesehen von Stellenabbau derzeit keine Einsparmöglichkeiten zur Verfügung stehen.“
Werden die Kürzungen von der Bundesregierung wie geplant umgesetzt, hätte dies massive Auswirkungen auf die Krankenhausversorgung in Niedersachsen: Der Erlösausfall für die Krankenhäuser beträgt bundesweit rund 8 Mrd. €. Den niedersächsischen Kliniken würden rund 750 Mio. € an dringend benötigten Finanzmitteln entzogen. Um diesen Erlösausfall zu kompensieren, müssten die Krankenhäuser rein rechnerisch mehr als 8 000 Vollkräfte einsparen. Das entspricht knapp 10 000 Krankenhausbeschäftigten in Niedersachsen.
Vielfach bereits heute defizitäre Leistungsbereiche wie die Geburtshilfe, Allgemeine Innere Medizin und Notfallversorgung wären in Niedersachsen besonders betroffen. In diesen Bereichen wäre als Erstes mit Einschränkungen in der Versorgung zu rechnen. Unter den geplanten Kürzungen würde auch die Erreichbarkeit von Krankenhäusern für die Bevölkerung leiden. Der Krankenhaus Rating Report prognostiziert einen deutlichen Anstieg des Bevölkerungsanteils mit einer Fahrzeit von mehr als 30 Minuten zum nächstgelegenen Krankenhaus. Der Anteil würde sich mehr als verdreifachen und beträfe schließlich mehr als 400 000 Einwohner zusätzlich in Niedersachsen.
Ein geordneter Umbau von Strukturen im Zuge der Krankenhausreform werde durch die pauschalen Kürzungen unmöglich. Bund und Länder seien in ihren aktuellen Verhandlungen gefordert, die gravierenden Defizite des Gesetzes zu korrigieren. „Sollte der Bund das Gesetz nicht wesentlich anpassen, erwarten wir von der Landesregierung, im Bundesrat am 10. Juli den Vermittlungsausschuss anzurufen“, so Engelke.
Die NKG fordert vor diesem Hintergrund eine auskömmliche Finanzierung, um irreparable Schäden in der Krankenhausstruktur und der Patientenversorgung zu verhindern. Zudem muss den Kliniken mehr Flexibilität und Gestaltungsspielraum zugestanden werden, um ihre Kosten eigenverantwortlich zu senken.
„Anstelle kostentreibender staatlicher Eingriffe ist es an der Zeit, kleinteilige Bürokratie und regulatorische Vorgaben abzubauen. Massive finanzielle Kürzungen vorzunehmen und gleichzeitig die Standards in den Krankenhäusern immer weiter anheben zu wollen, wird nicht funktionieren. Leidtragende dieser Politik werden zunächst die Mitarbeitenden in den Kliniken sein, gefolgt von den Patientinnen und Patienten, für die sich die Versorgung spürbar verschlechtern wird“, unterstreicht Helge Engelke.